Bericht über den diesjährigen Wettbewerb für Ton-/Video-/Multmedia-Arbeiten

TVM 2020 des RdT e. V.

 

Auch in diesem Jahr rief der Ring der Tonband- und Videofreunde e. V. zum traditionellen Wettbewerb alle Hobby-Aktivisten im Bereich Ton/Video/Foto aus Deutschland und der Schweiz auf. War bisher der Kreis der Teilnehmer auf Vereinsmitglieder im RdT begrenzt, hatten sich die Verantwortlichen im Vorstand – besonders im Hinblick auf den TVM 2019 – dazu entschlossen, auf dieses Merkmal zu verzichten und jedermann die Einreichung seiner Arbeiten zu ermöglichen. Das hat dem Wettbewerb hinsichtlich der Anzahl der eingereichten Arbeiten und deren Qualität sicher deutlichen Auftrieb gegeben. Allerdings – das sei schon zu Beginn verraten – waren Vereinsmitglieder durchweg auf den vorderen Plätzen in der Wertung nicht anzutreffen; es scheint so, dass die Kreativität eher außerhalb des Vereines sich besser entwickelt hat.

 

Um eine möglichst breiter aufgestellte Beurteilung zu erreichen, standen dieses Jahr insgesamt 6 Juroren zur Verfügung. Für diese Aufgabe hatten sich freundlicherweise Uwe Mehlhaff, Harald Braun, Klaus Ramm, Martin Grabinger, Rainer Grund (nur Video/MM) und Werner Grabinger zur Verfügung gestellt.

Es waren wieder Punkte (jeweils maximal 10) für Idee, Gestaltung und Technik zu vergeben, was teilweise nicht leicht war, da aus den Begleitinformationen nicht immer klar erkennbar war, wer der eigentliche Autor oder Ideenlieferant wirklich war.

 

Im Bereich der Audio-Aufnahmen waren insgesamt 12 Einsendungen zu bewerten.

Die Reihenfolge war durch das Eintreffen der einzelnen Beiträge vorgegeben, Last-Minute-Angebote waren so auf den hinteren Plätzen auf der Abspielliste zu finden.

 

Ziemlich lautstark ging es los mit dem ersten Beitrag „Remmidemmi im Tunnel“: Peter Hösel hatte mit Hilfe seiner Videokamera die ungestümen Biker in einem Straßentunnel eingefangen; die Biker hatten wohl gehörigen Spass beim Aufdrehen der Motoren bei Einfahrt in die Röhre, der Widerhall tat das nötige noch hinzu. Die Geräuschkulisse war gut eingefangen, allerdings die Übergänge fielen teils recht abrupt aus, Überblendungen hätten dieses Manko ausgleichen können. Der Nerv der Zeit schien getroffen zu sein, auf wenn die Biker den Anwohnern auf dieselben gehen. Platz 9.

 

Aus dem Bereich Kurzhörspiel präsentierte Rainer Grund das fiktionale Werk „Schrebergarten 5.0“, das mit viel hintersinnigem Humor. Eine hypermoderne Kleingartenanlage wird über ein Computernetzwerk komplett gepflegt und soll den Besitzern größtmögliche Erholung bieten, da sie ohne eigene Arbeitsleistung sich ganz der Erholung hingeben können. Die Pflege des Gartens besorgt eine Heerschar technischer digitaler Helferlein. Durch unsachgemäße Programmierung in der neu aufgespielten Software entwickelt sich das Szenario aber zur totalen Katastrophe.

Ein witzig gemachter Beitrag mit viel Spannung, der sicher mehr Punkte erreicht hätte, wenn das Drehbuch auch Eigenleistung gewesen wäre. Leider nur Platz 7 im sehr dichten Mittelfeld.

Rainer Grund hat auf Grund seiner Einreichung nur an der Bewertung der Video/MM-Arbeiten als Juror teilgenommen.

 

Ein Feature mit dem Titel „Eine alte Frau“ von Barbara Höllmich war zwar schon etwas älteren Datums, aber nach wie vor hörenswert. Die Hauptperson berichtet ihre Erlebnisse beim Besuch einer Kunstausstellung unter Funkturm in Berlin, gespickt von Schilderungen messerscharfer Beobachtungen der Besucher und auch der Kunstwerke, in die auch immer wieder Rückblicke an Erlebtes aus ihrer Jugend in Ostberlin einfließen. Dabei ist die kleine alte Frau das verbindende Element. Unterteilt wird der Handlungsablauf durch kurze Einspielungen einer Jazzband von Schallplatte, die allerdings etwas zu laut daher kommt. An einer Stelle ist ein Schnittfehler zu verzeichnen (Textstelle doppelt). Platz 6

 

Ein höchst amüsantes Hörspiel schickte Fred Höllmich ins Rennen: „Ein simpler Recorder“. Ein Kunde will ein einfaches Tonaufnahmegerät kaufen und gerät bei der Beratung an einen höchst ambitionierten und nahezu genialen Verkäufer, der all die Wünsche und Einwendung des Kunden wortgewandt abbügelt und am Ende ihm einen völlig untauglichen Rekorder andreht. Mit klarem Abstand erreichte die Arbeit Platz 1.

 

Aus München kamen von Egbert Laschewski eigene Gedichte, sehr gewitzt vorgetragen und mit passender Musik und Geräuschen garniert. Themen waren „Badetag“, „Bierkultur“, „Zahnweh“ und „Lebensalltag“, dargeboten in köstlichen und hintergründigen Reimen; da kann sogar schon Karl Valentin neidisch werden! Platz 5 war der Lohn für diese Arbeit.

 

Im nächsten Block waren Musikaufnahmen zu beurteilen. Robert Steiner war aktiv als Komponist, Texter, Arrangeur und Produzent für gleich drei Lieder: „An mein Kind“ wurde von einem Kinderchor vorgetragen. Das Lied handelt von Umweltschutz und Nachhaltigkeit, um künftigen Generationen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Leider war hier die Textverständlichkeit nicht immer gegeben.

Das zweite Lied handelte von der Märchenfigur „Peter Pan“ und wurde von einem Kindersolisten sehr präzise vorgetragen, ein wunderbares Schlaflied.

Und das dritte Werk „Durch die Wüste“ von Robert Steiner schließlich ist eine gelungene Beschreibung des Naturschauspiels des Lebens in der Wüste mit all ihren Gefahren und Schönheiten. Auch hier präsentierte sich ein begabter Nachwuchssänger im Knabenalter.

Alle drei Werke zeichnen sich aus durch gelungene Begleitung durch eine multi-instrumentale Combo mit passenden Arrangements. Die Lieder landeten auf Platz 2 und die beiden anderen je auf Platz 4.

 

Auch in diesem Jahr waren Beiträge von Florian König bzw. seinem Bruder Christian zu hören.

Die Zwei – SARS-CoV-2“ ist ein schwer einzuordnendes Klanggerüst, bei welchem sich Orgelklänge mit fallenden Synthesizer-Kaskaden abwechseln, in der weiteren Entwicklung kommen noch verzerrte Gitarrenriffs dazu, bis alles doch zu einem harmonischen Ende findet. Der Autor beschreibt die Intentionen wie folgt: „...spüren, wie die sich gegensätzlich reibenden Harmonien die laufende Pandemie m.E. beschreiben; ... eine tonal-melodische Geschichte "Falling Inside". Die Instrumenten-Sounds sind absichtlich asia-orientalisch bis hin kirchlich sakral gewählt“. Das Werk leidet ein wenig an der Dauer, kürzer hätte die imposante Klangwelt besser wirken lassen. Immerhin Platz 3 in der Wertung, zusammen mit einem weiteren Stück aus der selben Kreativ-Familie König: „Grammatik des Lebens“.

Dieses Werk entstand wohl bereits in den frühen 1980er Jahren und wurde mit analogen Gerätschaften der damaligen Zeit produziert, interessant der klangliche Gegensatz zum zuvor gehörten Stück. Die von menschlichen Stimmen eingesungenen Textstellen, teilweise etwas schwer zu verstehen, haben doch eine gewisse Aktualität in diesen Corona-Zeiten. Eine wahrlich schon als historisch zu bezeichnende Aufnahme. Ebenfalls Platz 3.

 

Noch zwei weitere Werke aus dem Schaffen von Peter Hösel waren als Abschluss der Audio-Kategorie zu beurteilen. „Oktoberfest 2030“ ist eine nette Satire in Memoriam auf das dieses Jahr abgesagte Oktoberfest. Ein Bayer hat einen Traum, in welchem das Biertrinken auf dem Fest mengenmäßig reglementiert ist, das Getränk aus dem Automaten kommt, direkt vom Konto abgebucht wird und synthetisch durch Mischung von Wasser und Pulver frisch hergestellt wird. Na dann prost!

Die Geschichte ist in Form eines kurzen Features gemacht, kommt allerdings etwas betulich daher: Text , Musiken und Geräusche wechseln sich brav ab; spannender wäre es gewesen, wenn alles ineinander fließen würde. Technisch ist die Qualität recht bescheiden, hoher Rauschanteil (nicht durch das Bier!), Sprechpausen abgehackt, nur mono, Musik teilweise verzerrt. Schade um die gute Idee; daher nur auf Platz 8.

Eine gelungene Vogelstimmen-Aufnahme bildete den Abschluss: Der Gesang einer Sperbergrasmücke war vom Mikrofon einer Videokamera sehr klar und präsent eingefangen, leider auch hier nur in mono; die nicht vermeidbaren Hintergrundgeräusche waren überlagert von einem merkwürdigen Phasing-Effekt, der evt. bei der Monobildung des Videotones sich ergeben hatte. So bildete diese Aufnahme auch den Schlusspunkt der Audio-Rangliste.

 

 

Nun zu den Beiträgen aus dem Bereich Video und Multimedia (MM).

20 Arbeiten galt es zu bewerten, da manche Werke aus MM auch Videosequenzen enthielten, war es schwer, die beiden Arten zu trennen, daher traten diese in gegenseitige Konkurrenz, was die Bewertung nicht immer leicht machte.

 

Bei etlichen Einsendungen kam die recht neue und durchaus spektakuläre 360-Grad-Technik zum Einsatz; gleich die erste Arbeit von Hans Zelesner, eine Fahrt „mit dem Tuk-Tuk durch Lissabon“ zeigte erstaunliche Effekte, die mit dieser Aufzeichnungsweise erzielt werden können. Die Kamera besteht eigentlich aus 2 gegeneinander montierten Extremweitwinkel-Kameras; deren Signale werden getrennt aufgezeichnet. Sie wird an einem Teleskoparm vom Bediener gehalten. Am PC wird dann nachträglich der Bildausschnitt inklusive Zoom und Schwenks ausgewählt, sodass eigentlich alle Freiheitsgrade hierbei festgelegt werden können, soweit die Grundschärfe der Kamera gut genug ist.

Die Fahrt durch die teils engen Gassen der Altstadt von Lissabon werden so aus bisher völlig unbekannten Blickwinkeln gezeigt, ebenso die Passagiere des Tuk-Tuk sowie die anderen Verkehrsteilnehmer. Eine eindrucksvolle Darstellung, wenn auch die supertotalen Einstellungen äußerst surreal wirken. Dass diese Art der Aufnahme natürlich nur für kurze Filmsequenzen sich eignet, ist klar, denn der Effekt nutzt sich auf Dauer dann doch ab. Natürlich war der Film nicht als Doku über die Altstadt gedacht, davon sah man eher wenig. Letztendlich erreichte das Werk den 12. Platz.

 

Dass Hans Zelesner auch die hohe Kunst der Bildbearbeitung perfekt beherrscht, zeigt er in dem MM-Beitrag „Fabeltiere“. Das Musterbeispiel für Verfremdung präsentierte Tiere, welche es so überhaupt nicht gibt: Der Erpel mit einem Steinbock-Kopf, der Seeadler mit Hirschgeweih, die Kröte mit dem Krokodil-Maul, der Schmetterling mit einem Pfauen-Kopf, die Kreuzung aus Libelle und Schaf, die Heuschrecke als Tucan und noch viele wundersame Kreaturen, die der Autor hier neu geschaffen hat. Wer sich mit solcher Arbeit am PC etwas auskennt, weiß, wieviel Mühe solche Arbeitsschritte erfordern. Ich empfehle: Anschauen und staunen; der Lohn der Arbeit war der 1. Platz.

 

Das dritte Werk von Hans Zelesner war nochmals ein 360-Grad-Erlebnis einer „Brückenunterquerung“ mit einem Passagierschiff. Auch hier wieder das Erlebnis eines für den Beobachter völlig ungewohnten Blickwinkels; wie die Brücke sich bedrohlich wölbend auf einen zubewegt, unterstützt durch die Symmetrie des Schiffskörpers, das hat was! Platz 13 für diese Einblicke.

 

Hans Peter Kuban wandte sich einem ernsteren Thema zu. Er dokumentierte den Zerfall der „ehemaligen Lungenheilstätte Charlottenhöhe“. Die gut recherchierten Informationen, verpackt in historischen Bildern und stimmigem Text der prägnant vortragenden Sprecherin gehen über in die traurig machenden Bilder des heutigen Zustandes der ehrwürdigen Gebäude, die durch Zerstörungswut dem Zerfall preisgegeben sind. Die bewegenden Aufnahmen sind aussagekräftig, unterstützt von der passenden Musik, wenn auch am Ende doch eine Länge zu verzeichnen war. Das Werk landete auf Platz 5 in der Wertung.

 

Uli Behrend nahm uns als Geisterfahrer auf „Geisterfahrt“ mit. Dank 360-Grad-Kamera filmt er eine Fahrt im Cabrio; an für sich nichts besonderes, würde man vermuten. Aber durch seine Spiegeltricks und stetigen Ausschnittsveränderungen mit Hilfe seines PC-Schnittprogrammes ergab sich der Eindruck, dass er mit seinem Wagen zwischen dem Gegenverkehr fahren würde, was dem unbefangenen Zuschauer mehr als einmal ein „Huch“ entlockt hätte. Die witzige Idee und die abwechslungsreiche Gestaltung reichte für Platz 8.

 

Weiterhin zeigte sich Uli Behrend auch als Liebhaber schnellerer Autos beim „Kurzbesuch im Porsche-Museum“. Auch hier durfte sein 360-Grad-Kamera nicht fehlen. Schon die Fahrt auf Stuttgarts längster Rolltreppe wird damit zum Erlebnis. Die Kamera brachte auch Eindrücke zu Stande, wie man sie sonst nur von Drohnen her kennt: Über den Ausstellungsstücken schwebend. Der imposanteste Moment stellte sich aber ein, als die Kamera durch den Motor eines Porsche-Traktors (auch das gibt es!) hindurch taucht und auf der anderen Seite weiter schwenkt! Auch die Erkenntnis, dass nicht nur die schönsten Pausen sondern auch die schönsten Porsche lila sind, war hier erlebbar. Passende Klänge rundeten das Gesamtbild weiter positiv ab. Platz 6 war der Lohn für die Arbeit.

 

Eng wurde es für Uli weiterhin bei der Vorstellung der „engsten Straße der Welt“, welche in Reutlingen zu finden ist. Auch hier war die 360-Grad-Cam prädestiniert für die Aufgabe, da jede andere Videokamera wohl beim Dreh an den Wänden angeschrammt wäre. Auch kenne ich Videoamateure, die leibhaftig hier diesen Weg nicht hätten beschreiten können. Die Enge der Gasse war sichtlich erlebbar. Platz 15.

 

Und noch eine Arbeit von Uli Behrend war zu beurteilen: „Einkauf bei REWE“. Ein kleines Zeitdokument der Corona-Hamster-Zeit (das ist kein Tierfilm!) zeigt den etwas ratlosen Uli aus Sicht des Einkaufswagens durch die teilweise leergekauften Regalgassen des Supermarktes fahren. Einem Juror fiel ein Continuity-Fehler auf: Der Zwieback lag zu Beginn schon im Wagen, kam dann aber erst später hinzu. Und Uli erwies sich als wahrer Schwabe: Der kauft nur 2 Bananen! Eine nette Idee, wenn auch die Musik doch etwas zu dramatisch wirkte. Platz 18.

 

 

Hut ab“ war der Titel einer Ausstellung in Stuttgarts Haus der Geschichte, welche Brigitte Zimmermann mit der Fotokamera besuchte. Historische Kopfbedeckungen bis hin zu modernen Kreationen für die avantgardistische Frau waren da ausgestellt, gut abgelichtet und mit dem O-Ton des Museumsführers und Aussagen von Besucherinnen unterlegt, kam die MM-Schau informativ rüber. Die Bildblenden waren teilweise etwas hastig, einige Tonblenden zu unorganisch. Aber es kommt Lust auf, die Ausstellung zu besuchen. Platz 11 wurde erreicht.

 

 

Von Brigitte Zimmermann wurden wir auch in die Welt der chinesischen Kaiserzeit entführt. Die „Terrakotta-Armee“ des ersten chinesischen Kaisers hatte sie in einer Ausstellung in Ludwigsburg gesehen und dort auch etliche Fotografien gemacht. Allerdings wurde in dem Beitrag Material aus einem Film von Welt-TV (https://www.youtube.com/watch?v=3Zmvr83abvQ) inklusive der Sprechertexte übernommen, ohne dass die Stellen entsprechend gekennzeichnet waren, was ein Juror herausfand und so eine Abwertung nach sich zog. Platz 10 trotzdem noch.

 

 

Ein Naturschauspiel der besonderen Art bot Theo Griesbaum mit dem Film „Fressen und gefressen werden“. Tiefe Einblicke in die mörderische Welt der Insekten hat er mit dem Makroobjektiv festgehalten, wobei die Aufnahmen schon einige Jahre alt sind und qualitativ etwas abfielen. Aber trotzdem war es spannend, den Kampf einer Spinne mit ihrem Opfer, oder einer Mordwanze beim Töten ihrer Beute und den Sieg einer Schnecke über einen Regenwurm inklusive Nachtisch aus allernächster Nähe beobachten zu können. Die Aufnahmen, größtenteils im heimischen Garten in stundenlangen Sitzungen gedreht, brachten dem Zuschauer nah, dass Fressen zum Leben dazugehört, aber auch mit viel Arbeit zuvor verbunden sein kann. Die unterlegte Musik kam manchem Juror etwas zu heroisch vor, brachte jedoch noch eine Schippe Dramatik mehr in den sehenswerten Film. Das Urteil der Jury reichte zu Platz 2.

 

 

Mit vier dokumentarischen Arbeiten beteiligte sich Peter Haselmann am Wettbewerb. Zum Nachdenken anregen sollte der Beitrag „Bergen-Belsen – gegen das Vergessen“, welcher bei einem Besuch der Gedenkstätte an die Judenvernichtung im 3. Reich entstand. Die Mischung aus Fotos und Filmsequenzen war zwar gelungen, allerdings waren die Filmteile dermaßen verwackelt, dass die angestrebte Besinnung nicht aufkommen wollte. Das konnte die gut gewählte Musik nicht ausgleichen. Die zu Beginn und am Ende eingeblendeten horizontalen Lauftitel hemmten deutlich den Fluss der Handlung. Es reichte so nur für Platz 16.

 

Mit dem kurzen Streifen „Lieblos und angekettet“ wollte Peter Haselmann dann noch auf das Leid von Hunden in Griechenland aufmerksam machen, die nur als Sache behandelt werden und deren man sich bei fehlendem Nutzen einfach wieder brutal entledigt. Die Bilder lassen einen betroffen zurück, Text und Musikakzente sind stimmig, die Bildqualität hat noch luft nach oben. Platz 15.

 

An den hierzulande eher weniger bekannten Illustrator „Kurt Ard“ erinnerte Peter Haselmann mit einem weiteren Beitrag. Die Bilder sind hauptsächlich einer Biografie entnommen, in welcher die zum Schmunzeln anregenden Illustrationen gesammelt sind. Der Däne Ard hat viele Jahre für die Zeitschrift Hör-Zu gearbeitet, sein Schaffen ist sehr breitbandig. Die MM-Sachau ist sehr informativ, allerdings sind etwas viele unterschiedliche Überblendeffekte im Einsatz. Platz 14.

 

Und letztlich ruft uns Peter Haselmann den Musiker „Rastaman Bob Marley“ ins Gedächtnis. Auch hier sind Bilder und Informationen zu seinem Wirken einem Buch entnommen, die Inhalte zu seinem Leben sind gut dargestellt. Lediglich die vielen unterschiedlichen Überblendeffekte bringen unnötige Unruhe in die Arbeit. Es scheint fast so, dass Peter Haselmann bekennender Marley-Fan ist. Diese Arbeit erreichte Platz 17.

 

 

Klaus Schöttker aus der Schweiz beteiligte sich am TVM mit zwei Reportagen. In der ersten mit dem Titel „Hand am Werk“ stellt er die hohe Kunstfertigkeit von Handarbeit in den Blickpunkt. Als Beispiele dienen eine Spinnerin, die aus Schafwolle dünne, gleichmäßige Fäden herstellt; dann ein Töpfer, der mit seinen Händen kunstvoll eine Vase aus der Tonerde erstellt, und zuletzt ein blinder und taubstummer Korbmacher, der nur mit Hilfe seiner Hände seine stabilen Korbwaren herstellt. Ja sogar die Kommunikation mit seiner Umwelt kann bei ihm nur über die Hände laufen.

Ein sehr gut gestalteter Begleittext eines professionell wirkenden Sprechers bringt wertvolle Erkenntnisse zur Thematik Hände. Lediglich die etwas eckig wirkenden Tonblenden zwischen Sprache und Musik sind hier verbesserungswürdig. Das Resultat: Platz 4.

 

 

Noch besser platzierte sich Klaus Schöttkers Werk „Holz, eine Gabe der Natur“. Hier wird die Entstehung, die Pflege und die Nutzung von Holz in Natur und Zivilisation beleuchtet. Die Entstehung eines Baumes aus einem Tannenzapfen hin bis zur Erstellung eines Holzhauses aus Fertigteilen beschreibt der Film sehr anschaulich, es kommt auch ein Förster zum Thema Waldbewirtschaftung zu Wort. Alles in allem ein lehrreicher Beitrag, der den Eindruck erweckt, es könnte ein Werbefilm für die Holzindustrie sein. Auch hier kommt der schon erwähnte Sprecher zum Einsatz, aber auch hier sind die abrupten Pegelsprünge in der unterlegten Musik beim Einsatz des Sprechers zu beanstanden. Das Urteil der Jury: Platz 3.

 

 

Florian König, vielen Aktiven im Verein als musikalisch Kreativer mit langjähriger Wettbewerbs-Erfahrung hatte sich zum ersten Mal mit einer Videoarbeit in diesem Jahr beteiligt. „If Man only knew“ nennt sich der Beitrag mit Bezug auf eine Friday for Future-Demo im September 2019 in München. Den richtigen Zugang zum Inhalt zu finden, ist der Jury teilweise nicht leicht gefallen. Das Ganze ist nicht als Dokumentation sondern eher als Experiment mit Collagen einzuordnen. Basis sind Videoaufnahmen einer Klima-Demo, welche am PC mit einem Posterizing-Effekt verfremdet wurden. Leider waren diese Aufnahmen mit dem Handy gefilmt und teilweise dermaßen verwackelt und wild geschwenkt in die Szenerie, sodass viel Unruhe in die Aufnahmen gebracht wurde. Abgemildert freilich wurde dieser Eindruck dann wieder durch Einfügen von quadratischen Standbildern mit Schildern und Spruchbändern, welche die Demonstranten mit sich führten; am linken und rechten Bildrand waren aber die Wackelbilder weiterhin noch zu sehen. Die Standbilder hatten aber meist eine deutlich zu kurze Standzeit, daher konnte der Betrachter die Sprüche, die durchaus bedenkenswert waren, nicht richtig entziffern. Bedingt durch die Länge der unterlegten Musik wiederholten sich mehrfach manche Filmsequenzen und Bilder, dadurch entstand ein Abnutzungseffekt, der das Werk als deutlich zu lang erscheinen ließ. Die Musik selber war wohl vor einigen Jahren beim NWT ausgezeichnet worden, der vom Autor angestrebte Bezug zu den Bildern ist nur schwer nachzuvollziehen. Immerhin reichte es für Platz 8.

 

 

Mehr dem Vergnügen zugewandt zeigte sich der Film „Europapark“ von Maurice Lanfranchi aus der Schweiz. In seinem Film geht er zuerst auf die Geschichte des Europaparks in Rust ein, bevor es dann in die Fahrgeschäfte selber geht. Geisterbahn, Matterhorn-Bahn und Silverstar, die berüchtigte Looping-Achterbahn sorgen für reichlich Nervenkitzel; da heisst es für Maurice, gut seine Kamera festzuhalten und den Mund geschlossen, damit das Frühstück drunten bleibt. Ein unterhaltsamer Film, auch wenn nicht jeder den kurzen O-Ton auf französisch versteht. Platz 9 wurde erreicht.

 

 

Nun zum Abschluss das Sonderthema Karaoke. Hier hatten wir doch einige kreative Arbeiten erwartet, zumal unser Archivar Erwin Spielvogel schon eine Ideengrundlage angeboten hatte, aus der man viel hätte entwickeln können, sowohl im Bereich Audio als auch Video.

Leider hat sich Theo Griesbaum als Einziger mit der Thematik befasst und mit „La Paloma“ ein herrliches Lied einer handgeführten Seemanns-Puppe in den Mund gelegt. Dass er (Theo oder die Puppe?) eigentlich gar nicht singen kann, macht überhaupt nichts aus, denn der Gesang ist so herrlich falsch, dass dies wunderbar zum Szenario und der Mimik passt. Und dann noch das Präludium mit der Melodica gespielt, genial. Die Puppe wurde vor schwarzer Leinwand vom komplett in schwarz gekleideten Puppenspieler geführt. Das kam bei allen gut an.

Auch wenn im Gesamtrang nur Platz 7 erreicht wurde, für diese Arbeit in der Sonderkategorie hat sich Theo einen Sonderpreis verdient.

 

 

Insgesamt gesehen und gehört lässt sich sagen, dass der TVM 2020 deutlich an Wahrnehmung gewonnen hat; dadurch sollte es gute Chancen geben, auch im nächsten Jahr wieder einen TVM 2021 auszuloben. Wobei wir schon mit etwas mehr Beteiligung durch Vereinsmitglieder hoffen.

Über die Verteilung der Geldpreise wird in Kürze auf der Homepage und im nächsten tvR-Heft zu lesen sein. Besonderen Dank an Erwin Spielvogel für die Aufbereitung und Präsentation der Arbeiten auf der Archivseite. So konnte jeder Interessent (und auch die Jury) die Beiträge zuhause ohne Aufwand anhören und sich sein Urteil bilden. Die Abrufseite im Internet ist noch bis Ende des Jahres 2020 aktiv.

 

Werner Grabinger

 

Tipp: Alle Wettbwewerbs-Beiträge sind im RdT-Archiv verfügbar