TVM Ton-Video-Multimedia-Wettbewerb 2019 des RdT e.V.

Bericht zum Wettbewerb TVM 2019

 

 

Auch in diesem Jahr fand wieder ein Wettbewerb für Ton-, Video- und Multimedia-Aufnahmen im RdT e. V. statt. Gegenüber früheren Gepflogenheiten waren neben einer ausgewählten Jury auch – wie in 2018 – die Mitglieder eingeladen, die eingereichten Wettbewerbsarbeiten zu beurteilen. Das wurde über den Archivbereich des Vereins im Internet abgewickelt. Dazu hatte Archivar Erwin Spielvogel auf seiner eigenen Homepage eine spezielle Seite eingerichtet, über die alle Beiträge abhör- bzw. anschaubar waren und die entsprechenden Bewertungen in einfacher Form abgegeben werden konnten.

Der Zuspruch an der ganzen Aktion war allerdings eher als gering zu bezeichnen, sowohl was die Anzahl der eingereichten Arbeiten als auch die Jurierung durch die Mitglieder anging. War zu wenig die Werbetrommel dafür gerührt worden? Ist der Einsendeschluss in der Hauptferienzeit ungünstig? Sind die Aktiven im Verein fauler und weniger kreativ geworden?

 

Nun wollen wir nicht nur kritisieren sondern uns zuerst einmal den einzelnen Werken zuwenden.

Im Bereich Audio waren lediglich drei Einreichungen eingegangen. Dadurch musste auf die Einteilung (wie bisher üblich) in verschiedene Kategorien verzichtet werden.

Ernesto Schmid aus der Schweiz schildert in seinem Werk „Kerzen in der Dunkelheit“ die persönlichen Folgen eines tödlichen Unfalles, bei dem die Ehefrau und die kleine Tochter eines einheimischen Bauern – ausgelöst durch einen umstürzenden Baum – ums Leben kamen. Dies hat für den Bauern traumatische Erlebnisse, an denen er zu zerbrechen droht. Suizidgedanken quälen ihn, dies wird dramaturgisch durch eindrucksvolle Geräusche in der Collage unterstrichen. Durch das warme Licht von drei Kerzen, die er durch Zufall findet, finden seine Depressionen zu einem Ende und er fasst wieder neuen Lebensmut.

Eine anrührende Geschichte, gut gestaltet, wenn auch die Geräusche etwas zu dick aufgetragen wirken. Jury und Mitgliedern gefiel diese Arbeit einmütig, 1.Platz.

 

In einer weiteren Arbeit von Ernesto Schmid „Fachsimpeln im Tonstudio“ erfahren wir eine Menge Details über das Studio Waldrand des Tbf. Franz Maier, der von Anfang an sich dem Tonbandhobby verschrieben hat. Im Gespräch mit Ernesto erzählt er viel über seine technische Ausrüstung, über sein umfangreiches Archiv an Geräuschen, Musikaufnahmen aus dem volkstümlichen Bereich sowie seinen Schwerpunkt Reiseberichte und Interviews. Besonders stolz ist er auf eine Aufnahme mit 50 Alphornbläsern, aufgenommen auf dem Rigi, einem bekannten Bergmassiv in der Schweiz. Natürlich sind jede Menge Klangbeispiele – wie man sie von Ernesto kennt – in das Werk passend eingearbeitet. Am Ende beklagt sich Franz über den fehlenden Willen der „Jungen“ zum selbst Gestalten bei unserem Hobby. Leider wahr, aber zum Trost stimmten alle Hörer einmütig für den zweiten Platz.

 

Peter Hösel erinnert in seinem Beitrag „Fliegende Festung“ an die Bombardierung der Stadt Schweinfurt vom 17.08.1943. Hierzu verwendet er in erster Linie O-Töne und Geräusche aus historischen Quellen. Das sind u.a. ein Interview mit einem Major im damaligen Reichsrundfunk, bedrückende Geräusche von dem Fliegerangriff, ein einzigartiges Tondokument eines Ave Marias, gesungen von einer Sängerin dieser Zeit. Zuletzt ist auch noch Adolf Hitler zu vernehmen, der sich über die unzureichende Ausrüstung seiner Truppen für einen Winterkrieg beklagt.

Insgesamt eine Zusammenstellung, die nicht jedermann gefallen hat und die einige akustische Lücken aufwies, die eigentlich vermeidbar gewesen wären. Platzierung: Dritter Rang.

 

 

 

Damit sind wir bei den Videos/MM, die auch hier auf eine Kategorisierung weitgehend verzichten konnten.

Uli Behrend ist auch nach seinem Ausscheiden aus unserem Verein weiterhin aktiv und mit mehreren Arbeiten vertreten.

Zuerst stellt er uns einen Musikautomaten der besonderen Art vor: Der „Hupfeld Phonoliszt Violina“ ist eine Geige mit Begleitung durch ein Klavier, welche durch ein gelochtes Papierband gesteuert werden. Ein Patent der Fa. Hupfeld aus dem Jahre 1907 ermöglicht diese Art der Musikwiedergabe, wobei drei Geigen über einen Rundbogen, der wie ein normaler Geigenbogen ebenfalls mit Rosshaar bespannt ist, zum Klingen gebracht werden. Die Steuerung der einzelnen Töne der Instrumente erfolgt über eine ausgeklügelte Pneumatik inklusive Blasebalg. Sehr detailliert werden die einzelnen Elemente in ihrer Funktion dargestellt, gut gewählte Bildausschnitte in ruhigen Einstellungen machen das Anschauen zum Genuss. Lediglich der Ton ist durch starkes Rumpeln des motorgetriebenen Blasebalges beeinträchtigt. Eine rundum gelungene Vorstellung einer längst vergangenen Musikepoche. Der zweite Platz war der Lohn der Mühe.

 

Mit einer „Fahrt mit dem Riesenrad“ bringt uns Uli in Schwindel erregende Höhen auf dem Rummelplatz. Es handelt sich dabei um die experimentelle Aufnahme mit einer 360-Grad-Kamera, die völlig unbekannte Eindrücke und Blickwinkel dem Zuschauer vermittelt, welche das Auge zuerst einmal gar nicht einordnen kann. Gigantisch wirken die Dimensionen der Gondeln, der ganzen Konstruktionen und auch der Umgebung. Erstaunlich, dass trotz Rundumsicht kein Stativ oder ähnliches zu erkennen ist; das wird von der Kamera selbsttätig aus dem Bild herausgerechnet. Die unterlegte Musik passt auch perfekt zu den Ausblicken. Die Jury sah diesen Beitrag auf dem ersten Platz, allerdings bevorzugte das Voting der Mitglieder mit Abstand einen anderen Beitrag, daher erreichte die Wunderkamera „nur“ Platz 4.

 

Vielleicht angeregt durch die aktuelle Diskussion um innerstädtische Verkehrspolitik, stellt uns Uli noch die „Wuppertaler Schwebebahn“ vor. Musikalisch mit einem alten Schlager über diese Bahn

unterlegt zeigt er auch hier sein geschultes Auge, indem er die Begegnung zweiter Züge über der Wupper genau abpasst, wodurch eine besondere Dynamik in den Aufnahmen entsteht. Auch der Blick in die Obergeschosse der Häuser links und rechts der Straße, über welcher die Bahn fährt, fehlt nicht. Die kurze Episode erreichte Platz 6.

 

Ballett war angesagt bei Theo Griesbaum´s „Tanz der Tiere“. Das Werk stellt insofern eine Besonderheit dar, als dass es sich um eine kreative Bearbeitung von Tierfilmaufnahmen handelt, die in öffentlichen Fernsehprogrammen ausgestrahlt wurden. Eigentlich ist das gegen die Statuten des Wettbewerbes; aber da die Bilder durch die Bearbeitung einen neuen Sinn erhalten haben, wurde die Arbeit nach eingehender Diskussion zugelassen.

Theo Griesbaum hat aus viel Bildmaterial Sequenzen ausgewählt, die zur Musik von Peter Tschaikowsky „Tanz der kleinen Schwäne“ passen mussten. Dazu hat er durch raffinierte, aber auch sehr zeitaufwändige Montage der einzelnen Clips die Bewegungen der verschiedenen Tierarten wie Vögel, Flamingos, Füchse, und Hasen mit dem Rhythmus der Musik zur Deckung gebracht. Das Ganze gipfelt auf dem Schlussakkord, zu dem zwei Bisons im Kampf um die Vorherrschaft im Revier ihre Köpfe mit voller Wucht aufeinander krachen lassen.

Das Werk hat eine magische Wirkung auf die Zuschauer, die von Liebreiz bis Brutalität reicht. Bei einem Teil der Jury wurde die Arbeit nicht so hoch bewertet, allerdings beim Mitglieder-Voting war sie mit Abstand der absolute Favorit, sodass die hier gezeigte Kreativität mit dem ersten Platz belohnt wurde.

 

 

Bei den MM-Arbeiten war Uli Behrend traditionell auch dieses Jahr vertreten mit einer Bildreportage über das „Deutsche Automaten-Museum in Espelkamp“. In der Sammlung historisch wertvoller Verkaufsautomaten, die unter dem Motto „Immer zu Diensten“ in alten Zeiten an den Straßenecken auf Kundschaft warteten, sind neben eher bekannten Vertretern wie Zigaretten, Kaugummi, Zündhölzer, gesalzene Erdnüsse auch solche mit Schokolade, Bonbons und Ansichtskarten (gemeinsam in einem einzigen Gerät), Chlorophyll-Dragees bis Käse zu bewundern. Ein „Prämien-Automat“ für die Jugend versorgte diese mit Fruchtdrops und Überraschungen. Und wer auf sein Sparkonto was einzahlen wollte, konnte beim Sparautomaten der Sparkasse sein Kleingeld anlegen. Die Zukunft vorhersagen lassen konnte man sich im Handlese-Automaten „auf wissenschaftlicher Basis“ (ganz ohne Computer).

Dann die große Familie der Spielautomaten von Flipper über Tipp-Kick bis zu den einarmigen Banditen á la Spielhölle. Und nicht zu vergessen die Musikautomaten von Stiftwalzen über Musikboxen bis zum großen Orchestrion, welches dann auch in einem Videoclip in voller Funktion gezeigt wird mit dem Lied „Du schwarzer Zigeu...(halt, das darf man heute gar nicht mehr schreiben!).

Was allerdings der Automat der Nudisten-Lobby anzubieten hatte, bleibt Uli´s Geheimnis.

Eine sehr informative und vielseitige Kurzführung durch das gut sortierte Museum wusste beiden Gremien (Jury und Publikum) zu gefallen; zweiter Platz.

 

Zum Wahlthemenschwerpunkt „Europa“ ging leider nur eine Arbeit ein, Theo Griesbaum stellte diese unter das Motto „Europa ist Freiheit“.

In einer MM-Schau bringt er uns die Bedeutung der Aluminiumskulptur nahe, welche auf dem Platz der Verfassungsfreunde in Offenburg steht, geschaffen vom amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky mit einer stattlichen Höhe von 20 m. Die je nach Blickrichtung des Betrachters zu erkennenden Silhouetten eines weiblichen bzw. männlichen Körpers, geformt aus Alu-Rohren, sollen das Gefühl darstellen, dass wir alle, die die Freiheit lieben, miteinander verbunden sind, eine Aufforderung zu Friedfertigkeit aber auch zu aufrechtem Gang. Der Künstler schuf ein Symbol für die Energie innerhalb einer Tradition, die Gegensätze miteinander verbindet, er erinnert an die wichtige Rolle der Stadt innerhalb der deutschen Demokratiebewegung. Diese Einblicke kommen in der Darstellung des Beitrages sehr gut zur Geltung, unterlegt von passender moderner geistlicher Musik. In der Gesamtwertung erreichte die Arbeit Platz 5, erhält zusätzlich einen Ehrenpreis des Schwerpunkt-Themas.

 

 

Zur Bewertung der einzelnen Einreichung sei noch ergänzend erklärt, dass jeder Juror die Kriterien Idee, Ausführung und Technik mit jeweils bis zu 10 Punkten gewichten konnte. Das Mitglieder-Voting konnte nur in einfacher Weise seine Favoriten auswählen. Die erreichte Stimmenanzahl wurde mit dem Faktor 3 multipliziert, was statistisch gesehen der Funktion eines vierten Jurors in etwa entsprach. Während die Beurteilungen bei Audio identisch waren, gab es bei Video/MM doch unterschiedliche Wahrnehmungen, die sich auch in Einzelfällen auf die Gesamtpunktzahl auswirkten.

 

Werner Grabinger