Bericht zum TVM 2021 des RdT e. V.

 

Auch im diesem Jahr 2021 wurde im RdT e. V. ein Wettbewerb für Ton- , Video- und Multimedia-Beiträge angeboten. Leider war die Resonanz bei den Aktiven im Verein und auch extern sehr zurückhaltend: Es wurden 3 Audio- und fünf Video/MM-Werke eingesandt. Das ist sehr schade, aber anscheinend ist der Bedarf, eigene Werke einem größeren Publikum vorzustellen, nicht mehr vorhanden. Ich fürchte, dass dieser TVM wohl der letzte seiner Art gewesen sein wird; ein endgültiger Beschluss wird auf der kommenden Mitgliederversammlung zu fällen sein.

 

Ein Dank gilt den Juroren Harald Braun, Rainer Grund, Uwe Mehlhaff und Martin Grabinger, die sich freundlicherweise bereit erklärt hatten, mit mir die einzelnen Werke zu beurteilen und auch teilweise ihre persönlichen Eindrücke niederzuschreiben, welche ich auch hier mit einfließen lasse.

 

Doch nun zu den einzelnen Einreichungen:

 

AUDIO:

 

Peter Hösel war mit „Zwei Uhren auf Abwegen“ vertreten. Er hatte mit seinem digitalen Aufnahmegerät das Ticken zweier Uhren aufgenommen; anschließend wurden diese Geräusche auf einem PC mit allerlei Tricks – hauptsächlich Kompression und Verhallung – verfremdet, sodass vom eigentlichen Ticken nicht mehr viel übrig blieb. Solch krasse Bearbeitungen findet man bei manchen Komponisten der modernen E-Musik durchaus öfters vor, langjährige persönliche Erfahrungen von mir bei den Donaueschinger Musiktagen haben ihre Spuren hinterlassen.

Die Arbeit fand jetzt nicht unbedingt großen Anklang bei den Juroren, 77 Punkte kamen aber doch zusammen. Platz 3

 

 

Mit einer Naturaufnahme - „der Klang des Wassers“ - beteiligte sich Antonio Damalis am Wettbewerb. Ausgestattet mit 2 Mikrofonen und einem Flash-Recorder ging er auf Geräuschejagd an den Geroldsauer Wasserfällen. In 2 Minuten bot er in seinem Werk ein sich ständig steigerndes Gegurgel bis hin zum kräftigen Rauschen des Wasserfalls und wieder zurück zur Entspannung, ein durchaus attraktiver „Ohrenschmaus“, an manchen Stellen hatte der Zuhörer fast den Eindruck, dass das Mikrofon gleich mit dem Wasser in Berührung kommt. Erinnerungen an Smetanas „Die Moldau“ - auch ohne Musik – lassen grüßen!

Die Aufnahme war auch im Hinblick auf die schweren Unwetter im Sommer 2021 entstanden, um auch die Urkraft des Wassers zu symbolisieren. 88 Punkte konnte der Beitrag auf sich vereinigen. Platz 2

 

 

Aus der Schweiz war ein Audiobeitrag mit dabei: Maurice Lanfranchi nahm uns mit auf eine Urlaubsreise nach Rumänien, auf welcher er sein UHER Report 4200 und zwei Mikrofone (natürlich) dabei hatte. In einem gemütlichen Restaurant konnte er eine landestypische Musikkapelle mit ihren virtuos dargebotenen Weisen hiermit einfangen. Bei dem Vortrag ist es Usus, dass der "Tzigane" mit seiner Geige von Tisch zu Tisch zieht und den Gästen seine ruhigen und auch wilden Stücke präsentiert, während die ihn begleitenden Musiker an ihrem vorgesehenen Platz bleiben. Trotzdem klappt das Zusammenspiel auch bei den verrücktesten Tempi auf diese Distanz immer perfekt, fast schon ein kleines Wunder. Am Ende der Darbietung steht stets der Gesang der Lerche, den die Geige eindrucksvoll imitiert. Ein quasi pfiffiges Ende des Stückes!

Durch den ständigen Ortswechsel des Geigers gab es natürlich Veränderungen in der Stereowirkung, was aber den Gegebenheiten im Lokal entsprach.

Auch wenn man das heute nicht mehr sagen soll: Echte Zigeunermusik! Als Lohn für die Erlaubnis einer Aufnahme musste Maurice aus der Schweiz Violin-Saiten den Musikern zusenden, da diese in Rumänien nicht in der nötigen Qualität zu bekommen waren.

Diese Einreichung erreichte mit Abstand 104 Punkte. Platz 1

 

VIDEO/MULTIMEDIA:

 

Insgesamt fünf Aufnahmen waren hier zu bewerten.

 

Theo Griesbaum zeigte uns die Schönheit des Kreuzweges, wie er in seiner Heimatkirche, der Dreifaltigkeitskirche in Offenburg, geschaffen wurde. Als Besonderheit sind die Steinreliefs in kolorierter Ausführung gestaltet. In einer gefühlvollen Überblendschau kommen die einzelnen Darstellungen des Leidenswegs Jesu schön zur Geltung. Die ausgewählte Musik hierfür „Miserere mei Deus“ ist ein sehr passendes Werk aus der Gregorianik, sie wurde eigens von der GEMA für die Verwendung hier lizensiert.

Die Arbeit hätte noch einige Punkte mehr erreichen können, wenn die Bildgestaltung etwas abwechslungsreicher ausgefallen wäre; das Herausheben von mehr Details wäre interessant gewesen. Auch ein Ausgleich der perspektivischen Verzerrungen, hervorgerufen durch den schrägen Aufnahmewinkel, hätte den Gesamteindruck deutlich verbessert. An einer Stelle war ein vermeidbarer Tonfehler zu hören. Trotzdem eine insgesamt gute Arbeit, 92 Punkte kamen in Summe zusammen. Platz 5

 

 

Eine weitere Einsendung kam ebenfalls von Theo Griesbaum, die sich mit der Historie der Stadt Regensburg befasste. Der dortige Seniorenbeirat hatte die tolle Idee, für Mitbürger in Heimen alte Schwarz-Weiß-Bilder aus dem Stadtarchiv zu einer MM-Schau zusammenzustellen. Da gab es im Vorfeld natürlich jede Menge Recherchearbeit für Theo, um die einzelnen Bilder zu katalogisieren, und so ist eine sehr sehenswerte Schau entstanden, die nicht nur für Regensburger interessant und kurzweilig ist. Hier war die ausgewählte Musikuntermalung vielleicht nicht immer ganz glücklich. Einzig störend empfand ich die Format-Unterschiede der einzelnen Bilder, das sollte einheitlich gestaltet sein, da sonst die schwarzen Ränder ständig wandern.

Unser Archivar Erwin Spielvogel fühlte ich in seine Kinder- und Jugendzeit in seiner Heimatstadt zurück versetzt. Dieses Werk konnte 106 Punkte auf sich vereinen. Platz 4

 

 

Einen weiteren „Historienfilm“ präsentierte Klaus Schöttker mit dem Titel „Eine Zeitreise nach Iran“. Aufnahmen aus dem Jahr 2019 anlässlich einer Reise dorthin stellte er historische Bilder und Zeichnungen aus dem Perserreich des Jahres 521 v. Chr. gegenüber. Eindrucksvoll werden die Unterschiede zwischen den historischen Gebäuden und Ruinen und den modernen Bauten der Neuzeit herausgearbeitet. Die Großstädte stehen westlichen Pendants in nichts nach, besonders drastisch sind aber die Verkehrsstaus dort.

Wertvolle Informationen zu Geschichte und Kultur in Vergangenheit und Gegenwart gibt der von einem vermutlich professionellen Sprecher eingebaute Begleittext zum Film. Die Schnittfolge der Bilder ist klug gewählt, lediglich im Ton sind doch häufiger Pegelsprünge wahrzunehmen. Ein Film, der Lust darauf macht, das Land selber einmal zu erkunden.

Insgesamt sind 124 Punkte auf diesen Beitrag vereinigt. Platz 2

 

 

Klaus Schöttker ist auch der Autor des Dokumentarfilmes „In vino vitae“, der die Herstellung des Weines von der Blüte über die Rebe bis zum Glas skizziert. Die Weinblüte erzählt ihren Werdegang teils in der Ich-Form; dadurch wirkt der informative Text besonderes einprägsam. Sie bedient sich dabei desselben Sprechers wie im Beitrag zuvor. Ein insgesamt sehr lehrreicher Beitrag.

Einzig in der Tonmischung ist noch Luft nach oben: An etlichen Stellen gibt es Pegelsprünge, vor allem beim Einsatz von O-Tönen und der notwendigen Übersetzung des französisch sprechenden Winzers. Dieser sollte unter dem Übersetzer auch weiterhin zu hören sein, was nicht immer gelungen ist. Ein simuliertes Unwetter war zwar bildlich beeindruckend, der Ton aber dann doch als zu künstlich empfunden.

Bei der Bewertung sind beide Werke von Klaus Schöttker auf den Spitzenplätzen, hier stehen 126 Punkte als Ergebnis fest. Platz 1

 

 

Auch Maurice Lanfranchi ist kein Unbekannter bei den Ton- und Videoamateuren aus der Schweiz. Sein MM-Beitrag heißt „Dialog mit dem Meer“ und ist ebenfalls ein Werk, das auf einer Urlaubsreise – hier nach nach Madagaskar – entstanden ist. Fast alle Szenen sind mit einer Drohne gefilmt bzw. fotografiert. Ursprünglich sollte der Schwerpunkt auf einer Surfergruppe liegen, das Auftauchen einer Herde von Walen brachte ein noch besseres Motiv vor die Kamera. Die gewaltigen Kolosse ließen sich durch die Beobachtung mit der Drohne überhaupt nicht stören und glitten fast schwerelos durch die Fluten. Traumhaft schöne Schnappschüsse konnten so entstehen, eingerahmt von wunderschönen Landschaftsaufnahmen der Inselwelt.

Auch dieser Film konnte sich im dichten Spitzenfeld mit 120 Punkten platzieren. Platz 3

 

 

Rückblickend freue ich mich über die Kreativität der Einsendungen; dass aber die Spitzenplätze ausnahmslos an Schweizer Freunde gingen, hat mich doch ein wenig nachdenklich gemacht. Sind die Deutschen Freunde - gerade in Corona-Zeiten – alle in ihrer Schaffensfreude gelähmt worden? Das finde ich sehr schade, ich fürchte, dass dies der letzte TVM gewesen sein könnte.

 

Werner Grabinger